Wie entwickelt sich Rentfort weiter? Großer Andrang beim Infoabend mit Dr. Volker Kreuzer
Rund 80 Siedlerinnen und Siedler sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger sind der Einladung der Siedlergemeinschaft Gladbeck-Rentfort gefolgt, um sich auf dem Informationsabend mit Dr. Volker Kreuzer in der Gaststätte Kleimann-Reuer aus erster Hand über die Entwicklung ihres Stadtteils zu informieren. Vorsitzender Rico Pirl begrüßte die Gäste und eröffnete den Abend.
Mit Dr. Volker Kreuzer, Erster Beigeordneter der Stadt Gladbeck und zuständig für Planen, Bauen und Umwelt, stand ein zentraler Ansprechpartner für viele aktuelle Fragen zur Verfügung. Gleich zu Beginn machte er deutlich, dass es eine Vielzahl an Themen gibt, die die Menschen in Rentfort und ganz Gladbeck beschäftigen.
Bevor er auf konkrete Projekte einging, nahm sich Kreuzer bewusst Zeit für eine Einordnung. Ziel war es, die aktuelle Situation der Stadt insgesamt verständlich zu machen und die Hintergründe für viele Entwicklungen aufzuzeigen. Gladbeck sei eine gewachsene Stadt mit begrenzten Flächen. Neue Baugebiete auf der „grünen Wiese“ seien kaum noch möglich, gleichzeitig sei die Nachfrage nach Wohnraum hoch. Gerade Rentfort gehöre zu den beliebten Stadtteilen, was den Druck zusätzlich erhöhe. Viele Menschen würden die Stadt verlassen, weil sie kein passendes Grundstück finden – eine Entwicklung, die aus Sicht der Stadtentwicklung bedauerlich ist.
Vor diesem Hintergrund wurde deutlich, warum sich viele Projekte in Rentfort vor allem auf Nachverdichtung, Umnutzung und gezielte Weiterentwicklung bestehender Flächen konzentrieren.

Ein Beispiel dafür ist die Erweiterung an der Johowstraße. Dort entstehen aktuell neue Einfamilien- und Doppelhäuser sowie Mehrfamilienhäuser. Ergänzt wird das Gebiet durch Grünflächen und Spielmöglichkeiten, sodass ein insgesamt attraktives Wohnumfeld geschaffen werden soll – auch wenn die derzeit hohen Baukosten eine Herausforderung darstellen.
Auch im Bereich Rentfort-Nord tut sich etwas. Auf dem Gelände der ehemaligen St.-Franziskus-Kirche, die inzwischen entwidmet wurde, ist ein neues Quartier geplant. Vorgesehen sind barrierefreie Wohnungen zur Miete und zum Kauf, Angebote für generationsübergreifendes Wohnen sowie eine Kindertagesstätte. Ergänzt werden soll das Quartier durch eine verbesserte Nahversorgung. Kreuzer betonte, dass solche Projekte angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht selbstverständlich seien.
Ein weiteres Vorhaben betrifft das Gelände der ehemaligen Gärtnerei an der Voßbrinkstraße. Hier ist ein neues Wohngebiet geplant, das sich in die bestehende Siedlungsstruktur einfügen soll. Aktuell laufen umfangreiche Prüfungen und Gutachten, unter anderem zur Entwässerung und zum Hochwasserschutz. Bis dort tatsächlich gebaut werden kann, werden voraussichtlich noch einige Jahre vergehen.

Ein besonders sensibles Thema ist die Weiterentwicklung der Kampsiedlung. Die historische Siedlung unterliegt bislang einem Bebauungsplan aus dem Jahr 1986, der bauliche Veränderungen stark einschränkt. Dieser wird den heutigen Anforderungen jedoch nur noch bedingt gerecht. Die Stadt möchte künftig flexibler agieren und im Einzelfall prüfen, welche Anpassungen möglich sind. Ziel ist es, die Siedlung behutsam weiterzuentwickeln, ohne ihren Charakter zu verlieren, und gleichzeitig eine faire Behandlung aller Anliegen sicherzustellen.
Auch die Sportanlage an der Enfieldstraße war Thema. Nach dem Brand der bisherigen Halle laufen Planungen für einen Neubau, der deutlich über eine einfache Ersatzlösung hinausgehen soll. Diskutiert werden eine größere Sporthalle mit Tribüne, ein neuer Kunstrasenplatz sowie ein Lehrschwimmbecken. Angesichts der angespannten Haushaltslage stehen hier jedoch noch Wirtschaftlichkeitsprüfungen aus.

Mit der kommunalen Wärmeplanung wurde zudem ein Thema angesprochen, das weit über Rentfort hinaus Bedeutung hat. Kreuzer erläuterte, dass es sich dabei um einen strategischen Orientierungsrahmen handelt, der aufzeigt, wie die Wärmeversorgung künftig klimafreundlicher gestaltet werden kann. Für Bürgerinnen und Bürger kann dies eine wichtige Hilfestellung sein, etwa bei der Entscheidung für eine neue Heizung. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Planung keine verbindlichen Vorgaben darstellt, sondern eine Orientierung bietet.
Im Anschluss nutzten viele Teilnehmende die Gelegenheit, ihre eigenen Fragen einzubringen. Die Bandbreite reichte von Verkehrsfragen wie der Tempo-30-Regelung auf der Josefstraße über konkrete Projekte wie den geplanten Kreisverkehr an der Berliner Straße bis hin zu Themen wie der Parkplatzsituation in Wohngebieten oder der Zukunft einzelner Flächen. Auch übergreifende Fragen, etwa zur Entwicklung der Infrastruktur oder zur Einbindung der Bürgerschaft, wurden angesprochen.
Dr. Kreuzer nahm die Hinweise und Anliegen aufmerksam auf und betonte mehrfach, wie wichtig ihm der direkte Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern ist. Viele Punkte werde er mit in die Verwaltung nehmen und weiter prüfen.
Der Abend hat deutlich gezeigt, wie groß das Interesse an der Entwicklung des eigenen Stadtteils ist – und wie wichtig transparente Informationen und der persönliche Dialog sind.
Die Siedlergemeinschaft Gladbeck-Rentfort bedankt sich bei Dr. Volker Kreuzer für seine ausführlichen Einblicke, die offene Beantwortung der Fragen und die Bereitschaft, die Themen aus der Bürgerschaft mitzunehmen. Ebenso gilt der Dank allen Teilnehmenden für den sachlichen, engagierten und authentischen Austausch.



















